24 Dezember 2007

Frohe Weihnachten!


... wünscht Ihnen tà katoptrizómena
das Magazin für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik

17 Dezember 2007

tadao ando vis project



'church on the water' - tadao ando vis project

15 Dezember 2007

Rauchspeck

Warum Kunst in der Kirche? Über diese Frage hat sich das Christentum seit seiner ästhetischen Kehre im 3. Jahrhundert immer wieder gestritten. Ausdruck des Glaubens, Gestaltwerdung des Christentums, ja sogar Verifizierung der Inkarnation waren Argumente.

Heute ist das anders, wie man schlagend einem Artikel von Tim Ackermann in der WELT entnehmen kann: "Die Interessen der Auftraggeber sind eindeutiger. 150.000 Besucher kommen jedes Jahr in den Naumburger Dom. Es sollen mehr werden. 'Mit Neo Rauch hoffen wir, mehr Besucher aus den alten Bundesländern zu locken', sagt der Dechant der Vereinigten Domstifter, Georg Graf von Zech-Burkersroda [...] Tatsächlich könnte die Rechnung des Grafen aufgehen. Noch die abgelegenste Kapelle wird zum Sehnsuchtsort, sobald ein berühmter Künstler die Hand im Spiel hatte. Das kann jeder bestätigen, der sich schon einmal auf den Landstraßen um Ronchamp verfahren hat, auf der Suche nach Le Corbusiers Notre Dame du Haut."

Das ist traurig, weil es kaum um die Sache selbst (weder der Kirche noch der Kunst) geht, sondern um Events für Baedecker-Christen.

"Irren wir uns nur nicht: mögen wir noch soviel Speck für die intellektuellen und ästhetischen Mäuse in die Falle tun, wir fangen sie doch nicht; sicher gehen diese Nascher bald wieder hindurch. Jedenfalls wollen wir uns hüten, unser Kirchenvolk, das singen, beten und eine gute Predigt hören will, auch noch zu verlieren, indem wir ihm - Kaviar vorsetzen, wo es Brot will ... Freilich wenn es Kaviar gibt, warum soll man ihn nicht anbieten? Wir wollen in kleineren Kreisen das Bedürfnis nach schönen Feiern befriedigen, die die Gaben Gottes im Gewand der Kunst anbieten. Nur dass es nicht eine Anbetung von schönen Hüllen ohne Inhalt werde!"

Diese Sätze von D. Fr. Niebergall zur "Klärung des evangelischen Kultusproblems" aus dem Jahr 1925 skizzieren entlarvend-ironisch das Problem, vor dem jede Begegnung mit zeitgenössischer Kunst im Raum der Kirche auch heute - mehr als 80 Jahre später - noch steht. Auf der einen Seite das offenkundige Interesse an der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst, der Wunsch nach der Auseinandersetzung mit dem, was sich in der Gegenwartskultur abspielt. Auf der anderen Seite die permanente Rückbindung an die kirchlichen Interessen, die Klientel, mit der man es in der Gemeinde zu tun zu haben meint. Kunst bleibt innerkirchlich nur allzu oft bloß "Speck für ästhetische Mäuse" und könnte doch so viel mehr sein.

14 Dezember 2007

Bestürzend schlichter Rauch?

Die Gestaltung der Fenster im Naumburger Dom durch Neo Rauch und vor allem durch die Glaswerkstatt ist auf scharfe Kritik von Günter Kowa in der Süddeutschen Zeitung gestoßen. Unter der Überschrift "Verschenkte Gelegenheit" schreibt er u.a.:

"Aber in dem Anspruch des Werks, der allein schon im Namen des Künstlers angelegt ist, entlarvt sich zumindest die handwerkliche Anmutung dieser Glasfenster doch als bestürzend schlicht. Eine Auseinandersetzung mit dem Medium hat erkennbar nicht stattgefunden oder ist in rein plakativer Oberflächlichkeit verendet. Rauch fehlt jedes Verständnis für die kompositorischen Möglichkeiten der Bleinetzes, dessen Verteilung er komplett den Mitarbeitern der ausführenden Glaswerkstatt überließ, wie diese stolz mitteilten. Dass die einzelnen Scheiben so und nicht anders geschnitten wurden, war gleichfalls kein Gegenstand gegenseitig befruchtender Diskussion."

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12 Dezember 2007

Rauch im Naumburger Dom

Die Elisabeth-Kapelle des Naumburger Doms hat drei neue Fenster erhalten, die der Leipziger Maler Neo Rauch gestaltet hat. Die figürlichen Darstellungen zeigen Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231), deren 800. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wurde. Die neuen Fenster sollen am 22. Dezember vorgestellt werden. Der 47-jährige Rauch gilt als bedeutendster Vertreter der "Neuen Leipziger Schule".

07 Dezember 2007

Weinkunde für Kunstkenner?

Eine Spätlese der documenta 12 verspricht das aktuelle Heft von Kunst und Kirche. Vorgestellt werden Kunstwerke und Künstler, die ausgewählten theologischen Vertretern eindrücklich geworden sind. Darüber hinaus gibt es kursorische Einblicke in andere Kunstveranstaltungen des Jahres.

Ob das wirklich einen wesentlichen Beitrag für die Kunst der Gegenwart wie für die Gegenwart der christlichen Religion leistet, wie es in der Ankündigung heißt? Wohl eher nicht. Aber Spätlesen sind ja grundsätzlich eine Geschmacksfrage.

Notabene: "Spätlese ist ein Prädikat für Qualitätsweine das heute im deutschsprachigen Raum für Weine mit einem bestimmten Mindestgehalt an Oechsle (Zucker) pro Liter verwendet wird. Die Kategorie Spätlese liegt über Kabinett und unterhalb der Auslese." (wikipedia)

03 Dezember 2007

Merkwürdiger Dialog

Für einen intensiveren Dialog zwischen Kunst und Kirche, so meldet die Nachrichtenagentur idea, hat sich die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ausgesprochen. Man müsse danach streben, aus Sackgassen herauszukommen, in denen Kunst den Glauben mit Häme überziehe oder Kirche die Kunst zu ihrer Magd machen wolle, sagte sie am 29. November vor der Landessynode in Hannover. Die Kunst ermögliche nicht selten provozierende Interpretationen der christlichen Tradition. Sie erschließe Interessierten einen Zugang zur christlichen Botschaft und biete damit missionarische Chancen.

So nehmen Kirchenrepräsentanten die Kunst also wahr: als Institution, die den Glauben mit Häme überzieht. In welcher Welt leben wir eigentlich - und welche Kunst kennt und meint Frau Käßmann? Mir ist in den letzten 15 Jahren keine ernsthafte Kunst begegnet, die den Glauben mit Häme überzieht. Das ist wirklich Unsinn und die Kunst hat wahrlich Besseres zu tun. Und welche Kunst bevorzugt Frau Käßmann? Jene, die einen Zugang zur christlichen Botschaft und damit missionarische Chancen bietet. Soweit das Kapitel zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Das ist Verdinglichung in Reinkultur. Was sich die Bischöfin vorstellt, ist offenkundig eher Design als Kunst. Von interesselosem Wohlgefallen, das seit Immanuel Kant zur Bestimmung von Kunst herangzogen wird, hat die Missionsinteressierte offenkundig noch nichts gehört. Aber es wäre auch ein Wunder, wenn die Kirche aus der (Philosophie-)Geschichte lernen würde.

04 November 2007

Kultur unerwünscht

"Der Muezzin Fatih Yigit darf nicht singen. Jedenfalls nicht im Berliner Dom, hat das Domkirchenkollegium nun beschlossen. Warum? In der Begründung für die Ablehnung heißt es trocken: 'Wir glauben an den dreieinigen Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dies unterscheidet uns fundamental vom Glaubensbekenntnis des Islam.' Der Muezzin sollte eigentlich am Samstag im Berliner Dom auftreten - im Rahmen der Aufführung einer Friedenskantate des walisischen Komponisten Karl Jenkins mit dem Titel "The Armed Man - A Mass For Peace"." [Mehr]

17 Oktober 2007

Neuer Leiter des Instituts für Kirchenbau

Prof. Dr. Thomas Erne ist seit Wintersemester 2007 neuer Leiter des Marburger Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart. Thomas Erne hat promoviert über das Thema: Lebenskunst. Aneignung ästhetischer Erfahrung. Ein theologischer Beitrag zur Ästhetik im Anschluß an Kierkegaard und habilitiert mit einer Arbeit über den Philosophen Hans Blumenberg: Rhetorik und Religion. Studien zur praktischen Theologie des Alltags.

24 Juni 2007

VISION | AUDITION: Yves Netzhammer

Die Subjektivierung der Wiederholung - Projekt B
Karlskirche Kassel

VISION | AUDITION: Julia Oschatz

Heritage - Hermitage
Martinskirche Kassel

13 Juni 2007

Einladung VISION | AUDITION

MARTINSKIRCHE KASSEL 17. Juni 2007 - 10:00 Uhr
Festgottesdienst
Predigt : Bischof Prof. Dr. Martin Hein
Einführung : Kurator Dr. h.c. Andreas Mertin, Hagen

KARLSKIRCHE KASSEL 17. Juni 2007 - 16:00 Uhr
Ausstellungseröffnung
Festvortrag Kurator Dr. h.c. Andreas Mertin, Hagen
Eröffnung Bischof Prof. Dr. Martin Hein

KÜNSTLER
Patrycja German, Sigalit Landau, Julia Oschatz, Jay Schwartz
und Yves Netzhammer.

[Karte ...] [Infos ...] [Texte ...]

VISION | AUDITION

"Wem beim Einsehen in die documenta im Trubel der Eröffnungstage Hören und Sehen fast vergangen ist, der möchte vielleicht innere Ruhe und Erholung in einem Gotteshaus finden. Und auch dort soll wieder die Kunst erschöpfte Sinne öffnen: In der Kasseler Martinskirche eröffnet am 17. Juni die Ausstellung „Vision | Audition. Zum Verhältnis von Bild, Wort und Klang.“ Beteiligt sind fünf international bekannte Künstler: Patrycja German, Sigalit Landau, Julia Oschatz, Jay Schwartz und der diesjährige Schweizer Biennale-Künstler Yves Netzhammer. Das könnte eine wirklich schöne Ausstellung werden – aber sollte dieses Prädikat nicht der documenta vorbehalten bleiben, deren künstlerischer Leiter sich ja mit einem Plädoyer für die Schönheit der breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat?

Schönheit ist attraktiv und so ist eine Tagung zum Thema „Die documenta 12 – eine ,schöne’ Ausstellung?“ in der Evangelischen Akademie Hofgeismar bereits ausgebucht. Aber im Laufe des Sommer bietet die in der Nähe von Kassel gelegene Akademie noch mehrere, die documenta begleitende Tagungen sowie vom 22. bis 29. Juli sogar eine Sommerakademie an, in deren Rahmen auch Treffen mit der documenta-Kuratorin Ruth Noack sowie mit Andreas Mertin, dem Kurator von „Vision | Audition“ stattfinden. Übrigens, Ferran Adriá wird die Verpflegung der Tagungsteilnehmer übernehmen. Mal sehen, was dabei herauskommt: documenta-Koch kocht Ente in Hofgeismar? Aber solche PR-Gags bräuchte die Akademie gar nicht. Sonst wäre ja jetzt schon, ebenso wie Adriás Restaurant bei Barcelona, für das ganze Jahr ausgebucht." [artnet]

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28 Mai 2007

Beispielhafte Kirchen

Wien, Uno-City, Architekt Tesar

LandArbeit 07

"LandArbeit" macht ab Mai einen ganzen Ort zum Produktionsraum für eine ästhetische Praxis, die sich aktiv mit dem vorgefundenen sozialen, landschaftlichen und kulturellen Raum auseinandersetzt.

Unter der Federführung von Christine Biehler und Jürgen Fritz geht das Kunstprojekt "LandArbeit" der Frage nach, wie heute interdisziplinäre und auf Partizipation angelegte Positionen innerhalb der zeitgenössischen Kunst im öffentlichen, hier speziell im ländlichen Raum aussehen können.

Umgesetzt wird LandArbeit vom Projektteam im Studiengang
Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim und in der Trägerschaft des Netzwerks Kultur und Heimat Börde & Leinetal e.V. Gefördert wird das Projekt unter anderem von der Kulturstiftung des Bundes.

Beteiligte Künstler: Helmut Dick, Christian Hasucha, Boris Nieslony, Die Fabrikanten, Thomas Stricker, Janine Eggert und Philipp Ricklefs.

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18 Mai 2007

Feuer und Sturm

... nennt sich eine Ausstellung, die vom 26.05. bis 15.07.2007 vom Stadtmuseum Ingolstadt und der Pfarrkirche St. Augustn gezeigt wird. Zu sehen snd Arbeiten von Casagrande, Eberle, Heckelmann, Hitzler und Lucks.

12 Mai 2007

Kunstgeschichte christlicher Gesten

Von Klaas Huizing ist ein neues Buch erschienen: "Handfestes Christentum. Eine kleine Kunstgeschichte christlicher Gesten". Gütersloh 2007. Darin eröffnet der Autor eine künftig zu erweiternde Bibliothek der Gesten: von Dürers Handgesten, Rembrandts sinnenden und diakonischen Gesten, Caspar David Friedrichs Umarmungen, über die zärtlichen Begegnungen der Nazarener und Franz Marcs Familiengesten bis hin zu Picassos Erlösungsgesten, Piet Mondrians prophetischen Linien, Franz Bacon und die Gesten des Schreckens. Intention ist es, Elementargesten des Christentums zu entdecken und darzustellen.

Handfestes Christentum. Eine kleine Kunstgeschichte christlicher Gesten

05 Mai 2007

Kirchentag

„Die Vitalität von Kunst und Kultur ist die Inkarnation des Kirchentagsmottos“, stellte Pfarrer Erich Witschke, Kunstbeauftragter des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, bei der Vorstellung des Kulturprogramms zum 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in der Kölner Trinitatiskirche fest: 120 Veranstaltungen hat ein eigens von der gastgebenden Evangelischen Kirche im Rheinland berufener Kulturbeirat für das protestantische Großereignis, das vom 6. bis 10. Juni 2007 in Köln stattfindet, zusammengestellt. „Das Kulturprogramm soll ein Link vom Kirchentag in die Stadt sein“, sagte Witschke.

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20 Januar 2007

Nichts mehr zu sagen

"Die Sammlung der modernen religiösen Kunst ist, trotz einem Dix und einem Rouault, notwendigerweise ein Trauerspiel. Die Künstler und die Kirche haben einander nichts mehr zu sagen, nicht einmal ein Papst-Bild von Francis Bacon fand den Weg in die Vatikanischen Museen. Und Maurizio Cattelans Skulptur «Die neunte Stunde», sie zeigt Papst Johannes Paul II., von einem Meteoriten getroffen am Boden liegend, wird wohl kaum die Karriere des Laokoon machen." - das schreibt Petra Kipphoff unter der Überschrift "Das verwirrendste Museum der Welt" über die vatikanischen Sammlungen.

05 Januar 2007

Kirche fördert Kunst

Papst Benedikt XVI. zu den Teilnehmern einer Tagung über die Bedeutung der vatikanischen Museen: „Die Kirche hat schon immer die Welt der Kunst unterstützt und gefördert. Sie hat die Kunst als einzigartiges Vehikel des menschlichen und spirituellen Fortschritts betrachtet. In diesem Sinne lohnt es sich, an den Spruch meines Vorgängers Johannes Paul II. zu erinnern. Sein Zitat steht beim Eingang des christlichen Museums und lautet: „Für die Förderung der Schönheit der Stadt Rom und für die Wahrheit der christlichen Religion“.

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Kunst und Religion in Wien

Das Wiener Dommuseum hat mit Bernhard Böhler einen neuen Direktor, der das Museum zu einer Begegnungsplattform zwischen Kunst und Religion machen will. Außerdem ist eine Sonderausstellung zum 100. Geburtstag von Monsignore Otto Mauer geplant.

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