23 Dezember 2008

Symposium


"Macht euch Freunde mit dem Mammon" - Erfahrungen und Experimente mit Kirchenräumen.

Symposium am 11. Januar 2009, 13.00-16.30 Uhr in der Friedenskirche Hamburg-Altona (Eintritt frei)

mit Beiträgen und Diskussionen von Dr. h.c. Andreas Mertin (Hagen), Pastor Friedrich Brandi (Hamburg), Pastor Ulrich Hentschel (Hamburg), Prof. Dr. Karin von Welck, Kultursenatorin und Präsidentin des Kirchentages 2009 (Hamburg), Dr. Christian Gefert, Philosoph, Wolfgang Steinhaus und Pastor Dr. Jörg Herrmann

Vor 10 Jahren begann die damalige St. Johannisgemeinde mit der Öffnung ihrer Kirche zu einem öffentlichen Raum für Gottesdienste, Kunst und Kommerz, binnenkirchlich eher argwöhnisch, ansonsten mit freundlicher Neugierde wahrgenommen. Die Veranstaltung nimmt dies zum Anlass für einen Zwischeneinblick, noch keine Bilanz.

Dazu die Presseberichte der taz und der WELT

05 Dezember 2008

Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen Teile 1-6.


Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen - hat der Dortmunder Kirchenbautag 2008 in seinen Denkanstößen dekretiert. In der Folge wollen wir alle dokumentierten Ideenlosigkeiten der Kirchen in Deutschland benennen. Die ersten sechs angeblichen Ideenlosigkeiten annonciert der Regionalverband Frankfurt, der ab 2011 sechs Kirchengebäude und 7 Gemeindehäuser aus finanziellen Gründen aufgeben will, um damit den Rest der Gebäude zu retten. (Meldung)

Mal sehen, wie der Kirchbautag suf diese Ideenlosigkeit reagiert.

Keine Inszenierung von Ferne


Leo Zogmayers Neugestaltung von Kirchenräumen 1999-2009
Ausstellung und Begleitveranstaltungen im Martinushaus Aschaffenburg

Das Kirchliche Bildungszentrum "Martinushaus" in Aschaffenburg zeigt vom
Donnerstag, 5. Februar 2009 bis Dienstag, 3. März 2009 eine Ausstellung über
die Neugestaltung von Kirchenräumen des österreichischen Künstlers Leo
Zogmayer. Anlass ist die Fertigstellung seiner ersten Kirchenraumgestaltung
in Aschaffenburg-Schweinheim vor zehn Jahren. Seither folgten zahlreiche
Aufträge und Projekte für teils bedeutende Kirchenbauten.

Begleitende Vorträge am 3. März (Leo Zogmayer) und 17. März (Pfarrer Markus
Krauth) stellen Raumkonzepte und liturgische Entwicklungen im Kirchenraum
vor. Zur Eröffnung der Ausstellung präsentiert die Gemeinde "Maria Geburt"
ihr neues Buch "Laetitia vacui" über das Leben im neugestalteten
Kirchenraum. Führungen und Konzerte runden das Programm ab.
Nähere Informationen unter www.martinusforum.de .

11 November 2008

Tradition und Nachhaltigkeit


Das aktuelle Heft der Zeitschrift "Musik und Kirche" widmet sich dem Thema Tradition und Nachhaltigkeit. Das Heft enthält u.a. folgende Beiträge:
  • Glanz oder gar nicht. Kunst und Kultur heute
    von Andreas Mertin
  • Auf der Höhe der Zeit. Die evangelische Kirche und die Tradition
    von Christa Reich
  • Bachs geistliche Kantaten und ihre Texte
    von Martin Petzold

10 November 2008

Isa Rosenberger erhält Otto Mauer-Preis 2008

Der Otto Mauer-Preis 2008 geht an die 39-jährige Salzburgerin Isa Rosenberger. In ihren Video- und Fotoarbeiten greift die Künstlerin Denkmäler des früheren Ostblocks auf. Dabei zeige sie Kreativität im Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart, so das Urteil der Jury. [Mehr ...]

30 Oktober 2008

Kirchbautag 2008 Teil VIII

Das Enttäuschendste dieses Kirchbautages waren - neben der Absage an die Muslime im Vorfeld - die völlig unzureichenden und zudem ziemlich konservativen Dortmunder Denkanstöße, die zum Schluss verabschiedet wurden. Sie wurden weder der Bedeutung der Kirchenmitglieder als handelnden Subjekten gerecht, noch boten sie eine Perspektive für die Zukunft. Ein Satz wie "Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben nur zu wenig Ideen" wird bei einem aufzugebenden Baubestand von 30% irgendwann auf die Kirche zurückschlagen. Eine ideenlose Kirche eben.

Eine Auseinandersetzung mit den Dortmunder Anstößen gibt es ab Dezember im Heft 56 des Magazins für Theologie und Ästhetik.

Kirchbautag 2008 Teil VII

Dass unsere historischen Kirchen nicht nur Orte der Religion, sondern über Jahrhunderte auch Orte der Politik und des öffentlichen Lebens waren, wurde in einem weiteren Vortrag deutlich gemacht. Wer also die Geschichte seiner Stadt, seines Landes oder Europas kennen lernen will, muss also auch die Kirchen aufsuchen und sie unter dem Aspekt der öffentlichen Kommunikation studieren. Ob das allerdings auch finanzielle Implikationen für die öffentliche Hand hat, bleibt strittig. Wenn die öffentliche Hand sich hier engagiert, hat sie dann nicht auch ein Recht auf Mitsprache?

Kirchbautag 2008 Teil VI

Der Rückblick auf die Geschichte des Kirchenbaus, wie er in Dortmund vorgetragen wurde, bleibt unvollkommen, wenn man etwa den klassischen kirchenbauästhetischen Konflikt zwischen den irischen Mönchen mit ihren Holzkirchen und dem Kirchenbau des Bonifatius mit einer bewussten Prunkarchitektur unterschlägt. Die vorfindliche Geschichte des ostentativen Kirchenbaus ist eben nur eine mögliche Gestaltwerdung des Christentums. Deutlich wurde aber, dass die Orientierung am Tempel und am heiligen Ort im Kirchenbau eher sekundär ist.

Kirchbautag 2008 Teil V

Ich bin den Leserinnen und Lesern noch die weitere Berichterstattung über den Kirchbautag in Dortmund schuldig. Es war nicht wirklich inspirierend. Sicher war der Kirchbautag erfreulicher Weise sehr praktisch orientiert. Aber dort, wo der Blick in die Zukunft gehen müsste, blieb es doch sehr unklar und verschwommen. Dass Religion für Übergänge zuständig ist, ist eine triviale Einsicht der Religionswissenschaften seit über 100 Jahren. Ob sie deshalb automatisch Expertin für Transformationen ist, darf man bezweifeln. Zumindest ist ihr die Transformation in die Moderne und Post-Moderne nur bedingt gelungen.

24 Oktober 2008

Kirchbautag 2008 Teil IV

Dortmund, 23.10.200, 20:00 Uhr
Nach der Eröffnung folgt der abendliche Empfang beim Dortmunder Oberbürgermeister. Das ist üblich bei gesellschaftlichen und kulturellen Institutionenveranstaltungen und hat weniger inhaltliche Qualität als die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Es ist gähnend langweilig, man ist unter sich. Hier bekommt das Wort von der geschlossenen Veranstaltung seinen rechten Klang. Mir ist schon klar, dass so etwas üblich und normal ist in unserer Gesellschaft, aber wie soll von der gleichen Gruppe von Menschen ein Impuls ausgehen zur bauästhetischen Veränderung von Kirche und Gesellschaft? Hier versammeln sich die Konkursverwalter einer erodierenden Volkskirche mit dem treuherzigen Apell an den Staat, bei der Verteilung der staatlichen Bau-Alimente die baufälligen Kirchen nicht zu vergessen. Und diese Bitte äußert sich beim städtischen Buffet viel passender als gegenüber den kirchlichen Mitarbeitern von Kindertagesstätten und Krankenhäusern, die im Gegenzug entlassen werden. Hauptsache die Gebäude sind gut saniert. Heute morgen gehts weiter, es kann kann nur besser werden.

Kirchbautag 2008 Teil III

Dortmund, 23.10.2008, 19:00 Uhr
Wie gestaltet man einen Kirchenraum zum Eröffnungsgottesdienst des 26. Deutschen Evangelischen Kirchbautages?


Wie immer ....

Kirchbautag 2008 Teil II

Dortmund, 23.10.2008, 18:00 Uhr
Wie immer werden kirchliche Großveranstaltungen mit einem Gottesdienst und einem Abend der Begegnung eröffnet. Das gilt auch für den Deutschen Evangelischen Kirchbautag. Nur dass dieser Gottesdienst, wir sind ja unter professionellen Liturgen, mit 15minütiger Verspätung anfing. Nun ist die Reinoldikirche in Dortmund unter dem Aspekt des Priestertums aller Gläubigen schon ein protestantischer Betriebsunfall schlechthin. Am Altar ist der Pfarrer (=Priester) so weit von der Gemeinde entfernt, dass man ihn schon nicht mehr wahrnimmt. Da bekommt man einen rechten Eindruck davon, wie katholische Kirchen vor dem 2. Vatikanum waren. Die Predigt findet gefühlsecht an einem nationalistisch eingefärbten güldenen Adler statt, der Thron und Altar wieder so recht nahe rücken lässt. Und worüber geht die Predigt? Drei Mal dürfen Sie raten ... Natürlich über Psalm 84, jenes naturästhetisch ausgezeichnete Rührstück, das nur Verblendete für einen Lobpreis des Kirchenbaus halten können. Da darf dann auch der Verweis auf Harpe Kerkeling nicht fehlen. Was waren das noch für Zeiten, als "die Gebildeten mit denselben Erwartungen in die Kirche gingen wie in den Hörsaal des Sophisten: sie wollten sich einen Ohrenschmaus verschaffen". Die Zeiten sind lange vorbei, heute ist Hausmannskonst angesagt.

Kirchbautag 2008 Teil I

Dortmund, 23.10.2008, 10:00 Uhr
Die Lust an der Teilnahme am Deutschen Evangelischen Kirchbautag 2008 in Dortmund war einem schon vergangen, bevor man recht dort war. Noch im Vorfeld der Veranstaltung hatte der einladende Präses der Ev. Kirche von Westfalen die Richtlinien festgelegt: "Präses Buß plädiert ohnehin für mehr "Nüchternheit" bei diesem Thema. So sieht Westfalens oberster Protestant auch nichts Verwerfliches daran, eine ehemalige Kirche als gepflegtes Restaurant oder Stadtteilzentrum umzufunktionieren. Eine klare Grenze zieht Alfred Buß allerdings zu den Muslimen: Eine Moschee darf es in alten Kirchenräumen seiner Meinung nach auf keinen Fall geben. Hier seien die religiösen Wurzeln zu verschieden" (Pressemeldung Westfalenpost). So lieben wir es: nichts gegen eine westfälische Bratwurst im christlichen Ambiente, aber alles gegen Muslime in ebendemselben. Dass er sich nicht schämt! Liebe Muslime, nicht alle Christen in Westfalen denken so, es gibt noch welche, denen die abrahamitischen Wurzeln der drei Buchreligionen wohlvertraut sind und die nicht glauben, man könne nicht an einem und demselben Ort an den gleichen Gott glauben. So bleibt als erstes Fazit: Schon das Vorspiel verpatzt.

20 Oktober 2008

Kunstperformance in Frankfurt

STATTFINDUNG - EIDES STATT. Große Erzählung und Ernster Scherz

heißt eine Kunstveranstaltung mit und von Christoph Nees, die von Freitag, den 24.10. bis Freitag, den 31.10.2008 von 14-20 Uhr in der Kirche St. Katharinen an der Frankfurter Hauptwache stattfindet. Konzeptkünstler Chjristoph Nees residiert in der St. Katharinenkirche zu Frankfurt, installiert ein Kugelflächenmikrofon und sich selbst, verstärkt das Eigenrauschen der Kirche, verkauft seine eigene Vergangenheit und steht Rede und Antwort.

Besondere Veranstaltungen:
Vernissage - Freitag 24.10. 18 Uhr
EIDESSTATT - Samstag 25.10. 15 Uhr
Finissage - Freitag 31.10. 20 Uhr

21 August 2008

Phrasen

"Ein Kunstwerk kann eine Verbindung von sakralem und profanem Raum herstellen und die Schwelle zwischen sakralem und profanem Raum aufzeigen, was als eine Aufgabe der Kunst im Kontext der Theologie betrachtet werden kann." (S.P.)

Kunstpreis

Die Nürnberger Bildhauerin Meide Büdel erhält den Kunstpreis 2008 der bayerischen Landeskirche. Ein Beispiel ihrer Arbeit ist die die leicht geschwungene, 1,8 Tonnen schwere Stahlplatte, die als Altar in der Nürnberger Christuskirche an Stahlseilen hängt.

28 Juli 2008

Kirchlicher Funktionalismus

Das im vorstehenden Blogeintrag angekündigte Kunstsymposion des Arbeitskreises "Kirche und Kunst" der Evang.-Luth. Kirche in Bayern hat in der kirchlichen Presse eine merkwürdige Resonanz gehabt. Eingeladen waren Künstler und Kuratoren, um in kritischer Perspektive über ihre Erfahrungen mit der Kunst in der Kirche zu sprechen. Dafür wurden sie dann im Nachhinein in der Kirchenpresse abgewatscht. Dass die kirchliche Presse im Widerstreit von Freiheit und Funktionalismus eher auf letzteren setzt, mag man ja in heutigen Zeiten für erwartbar halten. Dass das Beharren auf dem Kunstcharakter der Kunst aber als Arroganz und Besserwisserei denunziert wird, zeigt, wie kunstlos und damit wahrnehmungslos inzwischen die innerkircdhliche Kultur geworden ist.

16 Juni 2008

Bildstörung

"BILDSTÖRUNG. Die Rolle der Kunst im Rahmen der Kirche" heißt das diesjährige Kunst-Symposion des Arbeitskreises "Kirche und Kunst" der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. Die Veranstaltung findet am 15. Juli 2008 ab 9:30 Uhr im Augustanasaal, Annahof 4, in Augsburg statt. Gesprächspartner sind u.a. die Bildhauerin Susanne Tunn, der Maler Franz Hitzler und der Kurator Andreas Mertin. Am Nachmittag gibt es eine Installation von Bernd Rummert in der Kirche St. Ulrich. Die Veranstaltung endet um 16:30 Uhr.

04 Juni 2008

Nichts Neues

Anlässlich des Katholikentages in Osnabrückt äußerte sich Bischof Dr. Friedhelm Hofmann über das Verhältnis von Kunst und Kirche: Mein Standpunkt ist, dass Kunst wesentlich zur Kirche gehört. Die Kirche war über viele Jahrhunderte die wesentliche Mäzenin der Kunst. Erst zu Beginn der Neuzeit haben sich die beiden Bereiche auseinander entwickelt. Es gibt meines Erachtens viel mehr Brücken als man wahrnimmt. Deswegen plädiere ich innerkirchlich für eine Öffnung in Richtung moderner Kunst. Umgekehrt sage ich den zeitgenössischen Künstlern, dass sie auch die Voraussetzung der Kirche kennen und akzeptieren müssen [...] Kunst kann nicht einfach beliebig sein. Kirche muss Kunst wahrnehmen als Seismograph der Fragen der Zeit, umgekehrt aber auch die Künstler zur Verherrlichung Gottes beitragen. Man muss unterscheiden zwischen Kunst im profanen Bereich und im innerkirchlichen: Kunst in der Kirche muss anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegen als etwa Kunst im Museum.

Quelle: Mainpost

09 Mai 2008

Notwendige Erinnerung

Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Kant-W Bd. 11, S. 56 ff.:

"Eben so ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeine nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun; denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden.

Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol, und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens, dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte.

Denn, was er zu Folge seines Amts, als Geschäftträger der Kirche, lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung dessen er nicht freie Gewalt hat, nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines andern vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der innern Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch; weil diese immer nur eine häusliche, obzwar noch so große, Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er, als Priester, nicht frei, und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet.

Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt, spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft, genießt einer uneingeschränkten Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine Kirchenversammlung, oder eine ehrwürdige Classis (wie sie sich unter den Holländern selbst nennt) berechtigt ein, sich eidlich unter einander auf ein gewisses unveränderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhörliche Obervormundschaft über jedes ihrer Glieder und vermittelst ihrer über das Volk zu führen, und diese so gar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz unmöglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch Reichstäge und die feierlichsten Friedensschlüsse bestätigt sein.

Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muß, seine (vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen, und überhaupt in der Aufklärung weiter zu schreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht ..."

20 April 2008

Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus

Während der Nazizeit gab es zahlreiche Kirchenneubauten und Kirchen-Umgestaltungen. Wer die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin besucht, kann sakrale Elemente entdecken, die aus der Gründerzeit der Kirche - den frühen 1930er Jahren - stammen und die von der NS-Ideologie beeinflusst sind. Die Ausstellung "Christenkreuz und Hakenkreuz - Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus" beschäftigt sich mit dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie auf den Kirchenbau.

Die Ausstellung "Christenkreuz und Hakenkreuz - Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus" ist seit dem 17. April bis zum 12. Juli in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin zu sehen.

03 April 2008

Otto Bartning

Otto Bartning gilt als einer der bedeutendsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts und war eine große Persönlichkeit des kirchlichen und kulturellen Lebens. Die Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. (OBAK) hat die deutschlandweite Veranstaltungsreihe 
"Bartning-Jahre 2008 | 2009 | 2010"

ins Leben gerufen, mit der sein vielfältiges Wirken, auch über die Architektur hinaus, gewürdigt und für die heutige Zeit neu entdeckt werden soll.

Die Auftaktveranstaltung findet am Sonnabend, dem 12.4.2008 in der von Bartning erbauten Trinitatiskirche in Leipzig (Stadtteil Anger-Crottendorf) statt, eine der 43 zwischen 1946 und 1953 deutschlandweit errichteten "Notkirchen":

- Ab 12 Uhr Offene Kirche zum Bartninggedenken

- 15 Uhr Kirchenführung mit Helfried Maas von der Trinitatisgemeinde

- 18 Uhr Eröffnung der Wanderausstellung "Architektur und Religion - Leben und Werk Otto Bartnings" durch Pfarrer Sebastian Rebner von der Trinitatisgemeinde

- 18:15 Uhr Vortrag mit Bildpräsentation über Otto Bartning von Architekt Wilfried Limberg und Immo Wittig (beide OBAK)

Die von der OBAK und der Evangelischen Kirchengemeinde in Gescher (Westf.) entwickelte Wanderausstellung wird bis zum 8.5.2008 in der Leipziger Trinitatiskirche zu sehen sein (jeweils sonntags 11 Uhr nach dem Gottesdienst sowie nach Vereinbarung mit dem Pfarramt).

Am Mittwoch, dem 16.4.2008 findet in Gießen in der von Bartning erbauten Pankratiuskapelle eine weitere Veranstaltung zum 125. Geburtstag statt - unter dem Titel "Theologie und Architektur" als Gemeinschaftsveranstaltung von OBAK und dem Gießener FORUM PANKRATIUS:

- Ab 18:30 Uhr Offene Kirche, viertelstündlich Bildpräsentation der OBAK über Leben und Werk Bartnings

- 19:30 Uhr Festvortrag von Dr. Jan Feustel (OBAK), Wissenschaftspublizist: "Die Gemeinschaft des Geistes wirksam machen", über den theologischen Ansatz bei Otto Bartning und Musik aus der Lebenszeit Bartnings (Orgelwerke u.a. von Johann Nepomuk David und Hans-Georg Bertram) mit Brigitte Gruehn, Kantorin der Pankratiusgemeinde; anschließend kleine Feier.

Dr. Feustel wird in seinem Vortrag darlegen, dass Otto Bartning den 1906 von Cornelius Gurlitt formulierten Gedanken von der "Liturgie als Bauherrin" aufgreift, dort aber nicht stehenbleibt, sondern ihn deutlich um eine - teilweise visionäre - Idee von Gemeinschaft erweitert.

Die weiteren Veranstaltungen, u.a. in Hannover, Essen, Berlin, Erfurt, Hamburg und Bremen, entnehmen Sie bitte dem vorläufigen Programm auf unserer Internetseite:
www.otto-bartning.de/bartningbauhaus2009.htm

In die Veranstaltungsreihe 2008-2010 können noch einige weitere Programmpunkte aufgenommen werden. Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme. Ebenso bitten wir darum, uns weitere Veranstaltungen mitzuteilen, insbesondere Beteiligung von Bartning-Kirchen am Tag des offenen Denkmals 2008, 2009 und 2010.

Für das "dreifache Bartning-Jahr" gibt es die entsprechenden Anlässe:
- 2008 der 125. Geburtstag Otto Bartnings (er wurde am 12.4.1883 in Karlsruhe geboren),
- 2009 sein 50. Todestag (er verstarb am 20.2.1959 in Darmstadt),
- 2010 die 100-Jahr-Feier der Einweihung seiner ersten in Deutschland erbauten Kirche (in Essen) und die 50-Jahr-Feier der Einweihung seiner letzten Kirche (posthum in Karlsruhe) sowie auch
- das "Bauhausjahr 2009" der "ImPuls-Region Erfurt-Weimar-Jena" (Bauhausgründung von 90 Jahren).

Weitere Informationen:

Immo Wittig
Büro der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. (OBAK)
Dietzgenstraße 57
13156 Berlin-Pankow
Tel. 030 / 400 58 333
www.otto-bartning.de

11 März 2008

Valentin Rothmaler ist neuer Kunst-Kurator in St. Petri

Im Sommer 2007 verabschiedete sich Björn Engholm aus dem St.-Petri-Kuratorium, nachdem er fast zehn Jahre lang die Kunstausstellungen in der Lübecker Kulturkirche betreut hatte. Nun wird am Palmsonntag, dem 16. März, um 17 Uhr, ein neuer Kunst-Kurator in St. Petri begrüßt und eingeführt: Es ist der bildende Künstler und Kunstprofessor Valentin Rothmaler.

[Mehr ...]

06 Februar 2008

Wiederholungstäter

Als wahr gelte heute "was der Mehrheit entspricht, auf allen Gebieten, auch auf dem Gebiet der Kunst", kritisierte Kardinal Meisner in seiner Predigt zum "Aschermittwoch der Künstler" 2008 in der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol. Wahrheit sei aber "etwas Vorgegebenes", nämlich das, was Jesus Christus gelehrt habe. Hier dürften Christen "keine falsche Bescheidenheit" zeigen.

"Wahrheit ist nicht relativ, Wahrheit gibt es auch nicht im Plural, Wahrheit ist keine Mehrheitsfrage, sie ist oder sie ist nicht", meinte Meisner. Wenn alles gleich wahr sei, dann sei alles auch gleich falsch, "und dann macht am Ende jeder, was er will."

Das sollten wir auch tun!

17 Januar 2008

Vom Gehen und Bleiben

In Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn veranstaltet die Ev. Akademie Bonn vom 2.-4. Februar 2008 eine Tagung zur aktuellen Ausstellung:

"
gehen bleiben. Bewegung, Körper, Ort in der Kunst der Gegenwart – unter diesem Titel werden zur Zeit im Kunstmuseum Bonn die Werke 37 internationaler Künstlerinnen und Künstler ausgestellt, die von Bewegung, aber gleichzeitig auch von Orten, an denen die Bewegung anhält, sprechen. In diesen Werken lässt sich die ganze Vielschichtigkeit der Erfahrungen zwischen Bewegen und Verharren, Weg und Ziel wiederfinden.
Gehen und Bleiben - das sind auch Grundkategorien in den biblischen Geschichten des Alten und des Neuen Testamentes. Im nomadischen Unterwegssein, aber auch im Ankommen und Bleiben an einem (besonderen) Ort spiegeln sich dabei nicht nur physische, sondern auch spirituelle Erfahrungen.

In der Auseinandersetzung mit den Kunstwerken der Ausstellung gehen bleiben und in der Auseinandersetzung mit den biblischen Traditionen bietet die Evangelische Akademie im Rheinland mit dieser Tagung die Gelegenheit, sich mit den Motiven Gehen und Bleiben als Aspekten des eigenen Lebens – als Selbst- und als Gotteserfahrung – zu beschäftigen. Die Tagung ist darüber hinaus eine Alternative zum jecken Treiben an diesem Karnevalswochenende.

Das Tagungsprogramm