30 Oktober 2008

Kirchbautag 2008 Teil VIII

Das Enttäuschendste dieses Kirchbautages waren - neben der Absage an die Muslime im Vorfeld - die völlig unzureichenden und zudem ziemlich konservativen Dortmunder Denkanstöße, die zum Schluss verabschiedet wurden. Sie wurden weder der Bedeutung der Kirchenmitglieder als handelnden Subjekten gerecht, noch boten sie eine Perspektive für die Zukunft. Ein Satz wie "Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben nur zu wenig Ideen" wird bei einem aufzugebenden Baubestand von 30% irgendwann auf die Kirche zurückschlagen. Eine ideenlose Kirche eben.

Eine Auseinandersetzung mit den Dortmunder Anstößen gibt es ab Dezember im Heft 56 des Magazins für Theologie und Ästhetik.

Kirchbautag 2008 Teil VII

Dass unsere historischen Kirchen nicht nur Orte der Religion, sondern über Jahrhunderte auch Orte der Politik und des öffentlichen Lebens waren, wurde in einem weiteren Vortrag deutlich gemacht. Wer also die Geschichte seiner Stadt, seines Landes oder Europas kennen lernen will, muss also auch die Kirchen aufsuchen und sie unter dem Aspekt der öffentlichen Kommunikation studieren. Ob das allerdings auch finanzielle Implikationen für die öffentliche Hand hat, bleibt strittig. Wenn die öffentliche Hand sich hier engagiert, hat sie dann nicht auch ein Recht auf Mitsprache?

Kirchbautag 2008 Teil VI

Der Rückblick auf die Geschichte des Kirchenbaus, wie er in Dortmund vorgetragen wurde, bleibt unvollkommen, wenn man etwa den klassischen kirchenbauästhetischen Konflikt zwischen den irischen Mönchen mit ihren Holzkirchen und dem Kirchenbau des Bonifatius mit einer bewussten Prunkarchitektur unterschlägt. Die vorfindliche Geschichte des ostentativen Kirchenbaus ist eben nur eine mögliche Gestaltwerdung des Christentums. Deutlich wurde aber, dass die Orientierung am Tempel und am heiligen Ort im Kirchenbau eher sekundär ist.

Kirchbautag 2008 Teil V

Ich bin den Leserinnen und Lesern noch die weitere Berichterstattung über den Kirchbautag in Dortmund schuldig. Es war nicht wirklich inspirierend. Sicher war der Kirchbautag erfreulicher Weise sehr praktisch orientiert. Aber dort, wo der Blick in die Zukunft gehen müsste, blieb es doch sehr unklar und verschwommen. Dass Religion für Übergänge zuständig ist, ist eine triviale Einsicht der Religionswissenschaften seit über 100 Jahren. Ob sie deshalb automatisch Expertin für Transformationen ist, darf man bezweifeln. Zumindest ist ihr die Transformation in die Moderne und Post-Moderne nur bedingt gelungen.

24 Oktober 2008

Kirchbautag 2008 Teil IV

Dortmund, 23.10.200, 20:00 Uhr
Nach der Eröffnung folgt der abendliche Empfang beim Dortmunder Oberbürgermeister. Das ist üblich bei gesellschaftlichen und kulturellen Institutionenveranstaltungen und hat weniger inhaltliche Qualität als die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Es ist gähnend langweilig, man ist unter sich. Hier bekommt das Wort von der geschlossenen Veranstaltung seinen rechten Klang. Mir ist schon klar, dass so etwas üblich und normal ist in unserer Gesellschaft, aber wie soll von der gleichen Gruppe von Menschen ein Impuls ausgehen zur bauästhetischen Veränderung von Kirche und Gesellschaft? Hier versammeln sich die Konkursverwalter einer erodierenden Volkskirche mit dem treuherzigen Apell an den Staat, bei der Verteilung der staatlichen Bau-Alimente die baufälligen Kirchen nicht zu vergessen. Und diese Bitte äußert sich beim städtischen Buffet viel passender als gegenüber den kirchlichen Mitarbeitern von Kindertagesstätten und Krankenhäusern, die im Gegenzug entlassen werden. Hauptsache die Gebäude sind gut saniert. Heute morgen gehts weiter, es kann kann nur besser werden.

Kirchbautag 2008 Teil III

Dortmund, 23.10.2008, 19:00 Uhr
Wie gestaltet man einen Kirchenraum zum Eröffnungsgottesdienst des 26. Deutschen Evangelischen Kirchbautages?


Wie immer ....

Kirchbautag 2008 Teil II

Dortmund, 23.10.2008, 18:00 Uhr
Wie immer werden kirchliche Großveranstaltungen mit einem Gottesdienst und einem Abend der Begegnung eröffnet. Das gilt auch für den Deutschen Evangelischen Kirchbautag. Nur dass dieser Gottesdienst, wir sind ja unter professionellen Liturgen, mit 15minütiger Verspätung anfing. Nun ist die Reinoldikirche in Dortmund unter dem Aspekt des Priestertums aller Gläubigen schon ein protestantischer Betriebsunfall schlechthin. Am Altar ist der Pfarrer (=Priester) so weit von der Gemeinde entfernt, dass man ihn schon nicht mehr wahrnimmt. Da bekommt man einen rechten Eindruck davon, wie katholische Kirchen vor dem 2. Vatikanum waren. Die Predigt findet gefühlsecht an einem nationalistisch eingefärbten güldenen Adler statt, der Thron und Altar wieder so recht nahe rücken lässt. Und worüber geht die Predigt? Drei Mal dürfen Sie raten ... Natürlich über Psalm 84, jenes naturästhetisch ausgezeichnete Rührstück, das nur Verblendete für einen Lobpreis des Kirchenbaus halten können. Da darf dann auch der Verweis auf Harpe Kerkeling nicht fehlen. Was waren das noch für Zeiten, als "die Gebildeten mit denselben Erwartungen in die Kirche gingen wie in den Hörsaal des Sophisten: sie wollten sich einen Ohrenschmaus verschaffen". Die Zeiten sind lange vorbei, heute ist Hausmannskonst angesagt.

Kirchbautag 2008 Teil I

Dortmund, 23.10.2008, 10:00 Uhr
Die Lust an der Teilnahme am Deutschen Evangelischen Kirchbautag 2008 in Dortmund war einem schon vergangen, bevor man recht dort war. Noch im Vorfeld der Veranstaltung hatte der einladende Präses der Ev. Kirche von Westfalen die Richtlinien festgelegt: "Präses Buß plädiert ohnehin für mehr "Nüchternheit" bei diesem Thema. So sieht Westfalens oberster Protestant auch nichts Verwerfliches daran, eine ehemalige Kirche als gepflegtes Restaurant oder Stadtteilzentrum umzufunktionieren. Eine klare Grenze zieht Alfred Buß allerdings zu den Muslimen: Eine Moschee darf es in alten Kirchenräumen seiner Meinung nach auf keinen Fall geben. Hier seien die religiösen Wurzeln zu verschieden" (Pressemeldung Westfalenpost). So lieben wir es: nichts gegen eine westfälische Bratwurst im christlichen Ambiente, aber alles gegen Muslime in ebendemselben. Dass er sich nicht schämt! Liebe Muslime, nicht alle Christen in Westfalen denken so, es gibt noch welche, denen die abrahamitischen Wurzeln der drei Buchreligionen wohlvertraut sind und die nicht glauben, man könne nicht an einem und demselben Ort an den gleichen Gott glauben. So bleibt als erstes Fazit: Schon das Vorspiel verpatzt.

20 Oktober 2008

Kunstperformance in Frankfurt

STATTFINDUNG - EIDES STATT. Große Erzählung und Ernster Scherz

heißt eine Kunstveranstaltung mit und von Christoph Nees, die von Freitag, den 24.10. bis Freitag, den 31.10.2008 von 14-20 Uhr in der Kirche St. Katharinen an der Frankfurter Hauptwache stattfindet. Konzeptkünstler Chjristoph Nees residiert in der St. Katharinenkirche zu Frankfurt, installiert ein Kugelflächenmikrofon und sich selbst, verstärkt das Eigenrauschen der Kirche, verkauft seine eigene Vergangenheit und steht Rede und Antwort.

Besondere Veranstaltungen:
Vernissage - Freitag 24.10. 18 Uhr
EIDESSTATT - Samstag 25.10. 15 Uhr
Finissage - Freitag 31.10. 20 Uhr